Häufig gestellte Fragen

  1. Was sind selbstreinigende Oberflächen?
    1. Es gibt prinzipiell zwei Typen selbstreinigender Oberflächen. Zum einen extrem wasserabstoßende mikroskopisch raue Oberflächen, an denen Schmutzpartikel kaum haften können und somit durch Regen oder einfaches Abspülen mit Wasser entfernt werden. Zum zweiten gibt es photokatalytische Beschichtungen, bei denen aufgrund einer Titandioxidschicht anhaftendes organisches Material durch Sonnenstrahlung zersetzt wird.

      Häufig verwechselt und in der Werbung bewusst vermischt werden selbstreinigende (self-cleaning) und leicht-zu-reinigende (easy-to-clean) Oberflächen. Easy-to-clean Oberflächen sind weit verbreitet und haben mit Lotus-Effect®- Oberflächen nichts zu tun. Letztere brauchen und sollen auch nicht in irgendeiner Form mit Lappen etc. abgewischt werden.

  2. Was versteht man unter Lotus-Effect®?
    1. Die Selbstreinigung superhydrophober mikro- bis nanostrukturierter Oberflächen wurde von Wilhelm Barthlott 1975 an der Universität Heidelberg an Pflanzen (Kapuzinerkresse) entdeckt und aufgeklärt. Erst mit Beginn der 90er Jahre konnte an der Universität Bonn von Wilhelm Barthlott dieses physiko-chemische Phänomen mit seinem Mitarbeiter Christoph Neinhuis technisch umgesetzt werden. Als Markenbezeichnung für die patentierten selbstreinigenden superhydrophoben mikro- bis nanostrukturierten Produkte wurde von Wilhelm Barthlott die Bezeichnung Lotus-Effekt® erfunden und 1997 angemeldet.
  3. Was sind selbstreinigende superhydrophobe mikro- bis nanostrukturierte Oberflächen?
    1. In Jahrmillionen der Evolution hat die Natur Oberflächen entwickelt – das Idealbeispiel sind die Blätter der Lotusblume (Nelumbo nucifera) – an denen durch eine komplizierte Mikro- bis Nanostruktur Schmutz nicht haftet. Dies haben wir Mitte der 70er Jahre entdeckt und Mitte der 90er Jahre in technische Produkte umgesetzt. Es handelt sich um Oberflächen, die von ihrer Chemie her wasserabweisend (hydrophob) sind. Ausschlaggebend für die besonderen Eigenschaften ist allerdings nicht nur die Chemie, sondern hauptsächlich die Mikro- bis Nanostruktur: Im Idealfall eine Grobstruktur (Durchmesser 5 bis 10 Mikrometer) und eine darüber gelagerte Feinstruktur (10 Nanometer bis 5 Mikrometer). Die Adhäsion von Partikeln auf diesen Oberflächen ist minimiert, denn sie liegen wie der Fakir auf einem Nagelbett nur auf den Spitzen der Struktur. Durch abrollende Wassertropfen werden sie abgewaschen. Die technische Umsetzung ist patentiert und Mitte der 90er Jahre wurde für die Handelsprodukte die rechtlich geschützte Markenbezeichnung Lotus-Effect® eingeführt.
  4. Welche Lotus-Effect®-Produkte existieren bereits?
    1. Mit größtem Erfolg ist seit 1999 die Fassadenfarbe Lotusan® der Firma Sto AG auf dem Markt. Inzwischen gibt es allein mit diesem Produkt weltweit etwa 500.000 Gebäude, die mit Lotus-Oberflächen ausgestattet sind. Weitere Anwendungsbereiche sind sehr stabile Gläser nach dem Prinzip der Lotuspflanze der Firma Ferro GmbH, die z.B. an den Mautsystemkameras der Bundesautobahnen eingesetzt werden. Die Firma Evonik AG hat Prototypen von Kunststoffen und Sprays entwickelt.
      Als Kunde werden Sie in der Werbung häufig falsch informiert. Es gibt z.B. eine ganze Anzahl von Fassadenfarben, die vorgeben, Lotus-Effekt® Produkte zu sein. Lotusan® ist die einzige Farbe auf dem Markt mit diesen Eigenschaften. Auf dem Markt gibt es weiterhin Produkte (z.B. Bratpfannen), eine große Firma mit Sanitärkeramik, eine bedeutende Fußbodenfirma, zwei Firmen mit Textilien und einen renommierten Brillenhersteller, die alle vorgeben, Lotus-Effekt® Produkte zu verkaufen. Alle diese Produkte haben mit der Marke Lotus-Effekt® nichts zu tun und sind keine patentierten selbstreinigenden mikro- bis nanostrukturierten Oberflächen.

  5. Patente und Marken
    1. Die Umsetzung des Vorbildes Natur auf technische selbstreinigende superhydrophobe mikro- bis nanostrukturierte Oberflächen ist patentiert. Das europäische Patent wurde 1998 erteilt. Außerhalb Europas existiert in den meisten Ländern ein Patentschutz (z.B. USA). Als Markenbezeichnung für superhydrophobe mikro- bis nanostrukturierte selbstreinigende Oberflächen wurde von Wilhelm Barthlott Mitte der 90er Jahre die Bezeichnung Lotus-Effekt® erfunden und 1998 zur Marke angemeldet. Inzwischen gibt es insgesamt weit über 100 abhängige Patente, die zum großen Teil von unseren Kooperationspartnern im Projekt Lotus-Effekt® gehalten werden.
  6. Wo ist der Einsatz von Lotus-Effect®-Produkten wenig sinnvoll?
    1. Unsere selbstreinigenden Oberflächen brauchen bewegtes Wasser zur Reinigung. In manchen Innenraumbereichen macht der Einsatz von Lotus-Effect® Produkten deshalb wenig Sinn, zum Beispiel bei Tapeten oder Möbeln. Lotus-Effect® Oberflächen sind entspiegelt und leicht matt. Sie funktionieren auf Architekturgläsern (Ferro), aber kaum auf optischen Gläsern oder gar Brillen.

      Eine Reihe von Brillenherstellern, darunter ein sehr bekannter Markenhersteller, bieten dennoch angeblichem Lotus-Effekt®-Produkte an. Es handelt sich hier allerdings eher um eine Irreführung der Kunden. Lotus-Effect®-Produkte haben immer eine mikro- bis nanostrukturierte Oberfläche. Die meisten Lotus-Effect®- Produkte können daher einer extremen mechanischen Beanspruchung nicht ausgesetzt werden. Fußböden, Gleitschienen oder Ähnliches sind deshalb im Moment noch keine Einsatzgebiete für Lotus-Effect®-Produkte. Interessanterweise existieren allerdings bereits die ersten Prototypen von Lotus-Effect® -Produkten, die mechanisch extrem beanspruchbar sind. Lotus-Effect®-Produkte bieten leider keinen Anti-Graffiti Schutz!

  7. Wie haltbar sind Lotus-Effect®-Produkte?
    1. Hausfassaden, die mit dem Markenprodukt Lotusan® gestrichen werden, sind auch nach Jahren unverändert selbstreinigend. Alles deutet darauf hin, dass diese Produkte eine sehr lange Haltbarkeit besitzen.
  8. Gibt es Lotus-Effect® Sanitärkeramik und Duschkabinen?
    1. Netzmittel (zum Beispiel Seife, Spülmittel) stören die Tropfenbildung von Wasser und es kommt auch auf Lotus-Effect® Produkten zu einer Benetzung. Allerdings wird die Oberfläche durch die Netzmittel nicht zerstört, sondern ist nach Abspülen mit klarem Wasser wieder voll funktionsfähig. Die Tatsache bedeutet allerdings, dass Lotus-Effect®-Produkte in Sanitärbereichen, in denen intensiv mit Netzmitteln gearbeitet wird (zum Beispiel Handwaschbecken) kaum Sinn macht. Ähnliches gilt für organische Lösungsmittel.

      Ein sehr bekannter Hersteller von Sanitärkeramik setzt in seiner Werbung verstärkt Bilder von Lotusblumen ein und suggeriert dem Kunden, dass die Oberflächen nach dem Vorbild der Natur arbeiten würden. Diese Oberflächen sind kein Lotus-Effect®-Produkt, sondern besitzen reine easy-to-clean Oberflächen.

  9. Gibt es Lotus-Effect® Gläser und Brillen?
    1. Mit selbstreinigenden Gläsern wird seit Jahren geworben. Häufig handelt es sich dabei um sogenannte photokathalytische Beschichtungen. Die Firma Ferro hat Prototypen von Lotus-Effect®-Architekturgläsern im Dauertest. Im Bereich optischer Sensoren (Mautbrücken) sind Lotus-Effect® -Gläser bereits erfolgreich im Einsatz. Für Architekturgläser und Autoheckscheiben werden sicherlich bald Anwendungen kommen. Für optische Gläser und Brillen sind Lotus-Effect®-Produkte kaum geeignet.

      Viele Glashersteller und Produzenten von irgendwelchen „Wundermitteln“ zum Imprägnieren von Gläsern geben vor, Lotus-Effect®-Produkte zu vertreiben. Dies gilt leider selbst für Brillen, bei denen ein renommierter Markenhersteller mit der geschützen Markenbezeichnung Lotus-Effect® wirbt.

  10. Gibt es bereits selbstreinigende Dachziegel und Dächer?
    1. Ja, mit Erlus-Lotus® kam 2004 das erste selbstreinigende Dach der Welt auf den Markt.
  11. Gibt es Lotus-Effect® Antifouling-Beschichtungen für Schiffe und Boote?
    1. Noch nicht. Selbstreinigende superhydrophobe mikro- bis nanostrukturierte Oberflächen mit der Markenbezeichnung Lotus-Effekt® umfassen eine 3-Phasen Interaktion zwischen Festkörper, Luft und Wasser. Dauerhaft unter Wasser kann es keine Selbstreinigung nach dem Lotus-Prinzip geben. Dies hat zur Konsequenz, dass der Einsatz auf Schiffsrümpfen, in Pipelines, Drainagen oder bei Herzkathetern keinen Sinn macht.
  12. Wo kann man den Lotus-Löffel kaufen?
    1. Für Demonstrationen benutzen wir einen Löffel mit einer perfekten Lotus-Effect® Oberfläche, von dem Honig und viele andere Substanzen rückstandsfrei abrollen. Es handelt sich um einen Prototypen, der leider nicht käuflich erworben werden kann.
  13. Gibt es Sprays zur Erzeugung von Lotus-Effect® Oberflächen?
    1. Auf dem freien Markt leider noch nicht.
  14. Gibt es selbstreinigende Kunststoffe und Folien?
    1. Viele Prototypen finden sich in der Erprobung. Die exklusiven Umsatzrechte für polymere superhydrophobe mikro- bis nanostrukturierten Folien und Kunststoffteile liegen bei der Firma Evonik AG. Dort arbeitet man intensiv an der Umsetzung.
  15. Gibt es Lotus-Effect®-Textilien?
    1. Das aus der Natur abgeschaute Wirkprinzip konnte durch überlagerte mikro- und Nanostrukturen der Oberfläche in Verbindung mit Superhydrophobie auf Textilien übertragen werden. Gegenüber „schmutzabweisenden“ Textilien ist mit dieser Entwicklung ein entscheidender Fortschritt gelungen, sogar auch für Unterwasseranwendungen.
  16. Lotus oder Lotos: Welcher ist der richtige Name der Pflanze?
    1. Die Markenbezeichnung Lotus-Effect® ist nach Nelumbo nucifera benannt, der Wasserpflanze mit den schildförmigen Blättern und den herrlichen Blüten. Im Englischen, im Französischen sowie den meisten anderen Sprachen wird Nelumbo nucifera Lotus genannt, im Deutschen zumeist Lotos. Wir haben uns der allgemein akzeptierten internationalen Schreibweise angepasst und verwenden die Markenbezeichnung Lotus-Effect®.

      Hinsichtlich der Schreibweise und dem, was man unter dem Namen versteht, herrscht große Konfusion. Unsere Lotusblume wurde bereits früher unter dem Namen Nelumbium lotus beschrieben. In der Antike wurden mit Lotos und Lotus unterschiedlichste Pflanzen bezeichnet. Die echte Lotusblume kam tatsächlich im Nildelta und östlichen Mittelmeergebiet vor und wird für diesen Raum mehrfach erwähnt. Vermutlich ist sie dort um das Jahr 1000 vor Christus ausgestorben. Gleichzeitig wird sie bereits seit der Antike mit der ägyptischen Lotusblume (Nymphaea lotus) verwechselt, die in Wirklichkeit eine Seerose ist (vergleiche hierzu F. Woenig, Die Pflanzen im alten Ägypten, Leipzig 1897). Um die Verwirrung komplett zu machen: Der Hornklee (ein Schmetterlingsblütler mit zahlreichen Arten) heißt mit wissenschaftlichem Namen Lotus, außerdem wächst im Mittelmeergebiet ein kleiner Baum aus der Familie der Kreuzdorngewächse, der den Namen Ziziphus lotus trägt. Es handelt sich also um einen verwirrenden Namen mit unterschiedlichen Schreibweisen. Zu Recht stellt deshalb Bernhard Herzhoff in seinem Aufsatz „Lotos - Botanische Beobachtungen zu einem homerischen Pflanzennamen“ (HERMES, Zeitschrift für klassische Philologie, Band 112, Seiten 257 – 271, Stuttgart 1984) fest, dass Lotos einer der verwirrendsten Pflanzenamen überhaupt sei.

      Die Literatur zu dem Problem füllt viele hundert Seiten, eine endgültige Lösung ist nicht abzusehen. Wir schließen uns dem internationalen Sprachgebrauch an und nennen Nelumbo nucifera die Lotusblume, das natürliche Vorbild für Lotus-Effect®-Produkte.

  17. Kann Lotus im heimischen Garten kultiviert werden?
    1. Ja. In den Tropen und Subtropen ist die Kultivierung absolut problemlos. Aber auch in winterkalten Gegenden wie in Deutschland ist eine Kultivierung von Lotus im eigenen Garten möglich. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie auf der Website der Botanischen Gärten Bonn sowie in der Ausgabe 6/2005 des Pflanzenmagazins „Gartenpraxis“.